Nein, Torben-Jasper, Du hast keinen Telefonjoker by Wiese Thorsten

Nein, Torben-Jasper, Du hast keinen Telefonjoker by Wiese Thorsten

Autor:Wiese, Thorsten [Wiese, Thorsten]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: Sachbuch
ISBN: 9783868833430
Herausgeber: Riva Verlag
veröffentlicht: 2013-11-04T00:00:00+00:00


Dem die Sonne aus dem Hintern scheint

Fabian Wegener, Realschule, Hamm

Eine Katze fällt immer auf ihre Füße. Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen. Dem scheint die Sonne aus dem Hintern. Es gibt Leute, die winden sich aus jeder Schwierigkeit heraus, haben unverschämtes Glück und wurschteln sich mit dieser Taktik des Alles-einfach-geschehen-Lassens am Ende auch noch auf den ersten Platz. Für uns brave Fleißige bleiben Silber, Bronze und Plastik. Womöglich gibt es im Volksmund so viele verschiedene Bezeichnungen für solche Ereignisse, weil es so maßlos ungerecht ist, dass die Easy-going-Typen nie für ihre Faulheit und Lässigkeit abgestraft werden. Auch in meinem Sport-Seminar gab es so einen.

André konnte Kitesurfen wie ein Weltmeister. Er war sehr sportlich, ein drahtiger Typ, maß 1,90 Meter, hatte schulterlanges dunkles Haar und trug einen smarten Dreitagebart – der gut aussehende Surfer-Typ halt. In Sachen Unterrichtsplanung war er dagegen eine ziemliche Niete. Schon etliche Male hatten wir ihm im Seminar den Arsch gerettet, wie man so sagt. Wir waren eine gute Truppe. Es kam nicht infrage, jemanden einfach so fallen und in sein Unglück rennen zu lassen. Wenn bei ihm ein Unterrichtsbesuch anstand, machte das Seminar halt Überstunden, um ihn mit durchzuschleifen. Wir waren einfach zu gut für diese Welt, lasen seinen Entwurf, machten Verbesserungsvorschläge und bewahrten ihn vor den komplett dämlichen Themen, die er sich ausgedacht hatte. Einmal wollte er zum Beispiel mit Achtklässlern über »Borussia Dortmund im Wandel der Zeit« sprechen, nur weil er zufällig selbst BVB-Fan war.

Als es auf das Examen zuging, war diese ganze Hilfe allmählich nicht mehr leistbar. »Jetzt musst du das langsam mal selber hinkriegen«, sagte ich zu André – wir steckten ja selbst bis zum Hals in Arbeit. Unsere Seminarleiterin Frau Keding wollte allmählich wissen, was wir für die UPP planten. Das sollte gut überlegt und wohlstrukturiert sein – es ging ums Ganze, die Abschlussnote, die Zukunft.

Maßgeblich für eine adäquate Stundengestaltung sind im Sportunterricht in Nordrhein-Westfalen die zentralen Anforderungen aus den Kernlehrplänen, die sogenannten pädagogischen Perspektiven, wie sie mein Mentor noch nennt, und die wir heute »Inhaltsfelder« nennen sollen. Hinter diesem Begriff verbergen sich Leitlinien, an denen sich das Lernziel ausrichten muss: das Wahrnehmungsgefühl oder die Gesundheit zu fördern, »Wettkampf und Kooperation« oder Verantwortung zu lernen. Jeder hatte diese Richtschnüre bis zum Examen verinnerlicht. Würde er nachts geweckt, könnte er sie rhythmisch rezitieren, vorsingen, auf dem Kamm blasen oder ihren Inhalt tänzerisch inszenieren. Nicht so André. Er hatte es, mit welcher Art von selektiver Wahrnehmung auch immer, geschafft, sich erfolgreich an ihnen vorbeizumogeln.

Er plane eine Stunde zum Thema Sportfotografie, sagte er zu Frau Keding. Das gab es schlichtweg nicht – wo war da die pädagogische Perspektive? Den Katalog dieser Moses-Tafeln, dieser Gesetze von ganz oben hätte er ja mal nachschlagen können. Er hatte es nicht. Frau Keding fiel die Kinnlade herunter. Eine solche Stunde in der UPP abzuliefern, wäre ein glatter Reinfall gewesen – quasi die Garantie durchzufallen. Während ich mich eher an die Maxime hielt: Schüler brauchen in erster Linie »Malen nach Zahlen«, plante André seinen Unterricht nach der Maßgabe: »Wir machen das, was ich selbst spannend finde – dann wird das schon.



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